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Das große Zermattlexikon

Aroleid

„Im Wallis liegt ein stiller Ort,/ Geheissen Aroleid;/ Es seufzt ein Gram im Namen fort/ Seit lang entschwundner Zeit.“, so dichtete einst Gottfried Keller über eine kleine Bergschaft bei Zermatt, deren Namen von Leid kündet: Aroleid. Der Name Aroleid leitet sich wohl vermutlich vom Walliser Wort für Adler ab, d’s Ari. Einer lokalen Legende zufolge brachte Ari, der Adler, Leid über eine Mutter, die hier an dieser Stelle ihr Vieh hütete und ihren Säugling stillte. Als sich ein Tier zu weit von der Gruppe entfernte, stand die Mutter auf, legte ihr Kind ins Gras und folgte ihm. Als sie zurück kam, fand sie ihr Kind nicht mehr vor, d’s Ari hatte es gestohlen. Sie sollte ihr Kind nie wieder sehen.

Gottfried Keller erzählt die Geschichte von Aroleid etwas anders. Dort ist der Berghirt, der Mann der Bäuerin, in tödliche Gefahr am Berg geraten und der Aar versetzt ihm den letzten Stich, sodass er dort hin fiel, „wo keiner mehr ihn fand.“ Sein Weib, das auf „grüner Matte“ saß und auf die Rückkehr des Mannes wartete, sprang „voll bittrer Sehnsucht[…] auf und ging im Mattengrün/Mit schwankem Schritt und irrem Lauf/Und heissem Augenglühn.“ Dramatisch inszeniert Keller den Moment, in dem das Kind gestohlen wird: „Da schreit ein Kind, ein Flügel saust/ Wohl über ihrem Haupt -/Mit ihrem Kind zur Höhe braust/ Der Aar, der es geraubt!“ Und so verliert diese arme Bergbäuerin an einem einzigen Tag ihren Mann und ihr Kind. Deshalb trägt dieser Ort oberhalb von Zermatt vollkommen zu Recht den Namen „Aroleid“.

Siehe auch: Fauna Zermatt, Literatur Alpen, Literatur Zermatt, Tierwelt Zermatt, Wildtiere Zermatt, Zermatt


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