Das große Zermattlexikon
Nordwand Matterhorn
Sie werden als die „Letzten Probleme der Alpen“ bezeichnet: die großen Nordwände, die sich durch besondere Größe, Schwierigkeit und Gefährlichkeit auszeichnen und die jedem passionierten Bergsteiger sofort das Adrenalin ins Blut schießen lassen. Je nach Betrachtung sind dies entweder drei oder sechs alpine Nordwände. Neben der Eiger-Nordwand – der wohl berühmtesten Nordwand der Alpen – sind dies zuerst einmal die Nordwand des Grandes Jorasses und natürlich die Nordwand des Matterhorns bei Zermatt. Während die Normalroute auf das Matterhorn zumeist über den Hörnligrat führt, schaffen nur wenige erfahrene Spezialisten den Aufstieg über die abweisende Nordwand des Matterhorns.
Einer der wenigen, denen die Besteigung der 1.200 Meter hohen Matterhorn-Nordwand gelang, war Walter Bonatti, ein italienischer Bergsteiger, der im Jahr 1965 eine neue Führe durch die Nordwand des Matterhorns beging. Bis heute konnte diese Leistung nur zwei Mal wiederholt werden. Die Erstbesteigung der Nordwand des Matterhorns gelang im Übrigen 1931 den deutschen Gebrüdern Franz und Toni Schmid aus Frankfurt am Main, die im Jahr darauf für diese Leistung mit der olympischen Goldmedaille, der Prix olympique d’alpinisme, ausgezeichnet wurden. Unglücklicher Weise starb Toni Schmid kurz vor den Olympischen Spielen bei der Besteigung der Nordwand des Wiesbachhorns. Der Rekord für die Besteigung der Matterhorn-Nordwand liegt heute bei 1 Stunde und 56 Minuten. Dennoch begann mit der Erstbesteigung der Nordwand des Matterhorns der Run auf „die letzten Probleme der Alpen“, auf die verbliebenen zwei großen Nordwände. Nach dem Matterhorn wurde zunächst 1935 der Grandes Jorasses bestiegen. Das „letzte große Problem der Alpen“, die Eiger-Nordwand, wurde 1938 unter anderem von Heinrich Harrer („Sieben Jahre in Tibet“) bestiegen.
Die erweiterte Gruppe der großen Nordwände der Alpen umfasst neben dem Eiger, dem Grandes Jorasses und dem Matterhorn auch noch den Petit Dru, den Piz Badile und die Große Zinne. Für die Zuordnung zu den „großen Nordwänden der Alpen“ ist es nicht unbedingt erforderlich, dass die Wand besonders hoch ist: Allein der alpinistische Anspruch entscheidet über die Aufnahme die Reihen der großen Nordwände. So ist der Begriff „Nordwand“ inzwischen zum Synonym für eine besonders schwierige und gefährliche Bergwand geworden. Der Grund für die großen Schwierigkeiten auch an der Matterhorn-Nordwand ist die Tatsache, dass die Nordwände hoher Berge auf der Nordhalbkugel der Erde durch ihre schattige Lage zumeist stärker vergletschert waren als die übrigen Wände. Eis, Kälte und raue Winde formten dramatische, steile Hänge, die bis heute immer wieder Bergsteiger das Leben kosten.
Auch der Matterhorn-Nordwand bei Zermatt hängt bis heute ein Hauch von Gefahr und Todesmut an. Auch wenn die Nordwand bereits bezwungen worden ist, reizt sie immer wieder Bergsteiger zu ehrgeizigen und waghalsigen Expeditionen. Der Lohn für diese Mühen scheint all die Strapazen wert zu sein: Wer die Nordwand des Matterhorns bezwingt, gehört zu den besten Bergsteigern der Welt.
Alles über die Touren auf das Matterhorn erfahren Sie auf unserer Seite Routen auf das Matterhorn.
Siehe auch: Bergsteigen Zermatt, Bergsteigerfriedhof Zermatt, Eiger, Erstbesteigung des Matterhorn, Matterhorn
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