Das große Zermattlexikon
Matterhornbahn
Die Matterhornbahn war eine Vision: Nach dem Vorbild der Gornergratbahn sollte sie es allen Menschen ermöglichen, das Matterhorn erreichen. Das Matterhorn ist das Wahrzeichen der Schweiz und das Sehnsuchtsziel vieler Alpinisten. Seit Jahrhunderten träumen Menschen aus aller Welt davon, diesen beeindruckenden Gipfel zu bezwingen, doch nicht allen gelingt dieser Versuch. 1906 entwickelten deshalb zwei Schweizer Ingenieure ein Konzept für den Bau einer Bergbahn auf das 4.480 Meter hohe Matterhorn, die sogenannte Matterhornbahn.
Geplant war, die Besucher zunächst mit einer Zahnradbahn von Zermatt nach Schwarzsee zu bringen, wo sie über einen Tunnel zum Hörnligrat (3.052m ü.M.) gelangen sollten. Dort sollten sie eine Standseilbahn im Inneren des Berges besteigen, die mit einem maximalen Steigungsgrat von 95 Prozent durch einen mit Panoramafenster versehenen Tunnel hinauf zum Gipfel fahren sollte. Die Bergstation war etwa 20 Meter unterhalb des eigentlichen Gipfels geplant. Die Ingenieure Henri Golliez und Xavier Imfeld – die beide nicht aus Zermatt stammten – planten für die Fahrzeit etwa 1 Stunde und 20 Minuten ein. Der Bau selbst sollte etwa vier Jahre dauern und mehr als 10 Millionen Schweizer Franken kosten.
Bei den Zermatter Bergführern stieß das Bauchvorhaben jedoch sofort auf erbitterten Widerstand: Eine Bergbahn auf das Matterhorn war undenkbar für die Zermatter, die ihr Matterhorn verehren. Schon lange vor seiner Erstbesteigung war das Matterhorn ein Objekt der Begierde unter Bergsteigern aus aller Welt. Viele von ihnen träumten davon, einmal auf dem Gipfel zu stehen, jedoch nicht um den Preis, den wunderschönen Gipfel mit nicht-alpinen, reichen Touristen teilen zu müssen. Die Zermatter Bergführer fürchteten, die Bahn auf das Matterhorn würde ihrem ds’Hore das Besondere nehmen und seine Einzigartigkeit zerstören. Der Schweizer Literat Charles-Marius Gos schrieb empört: „Das Matterhorn gehört allen Schweizern. Wir dürfen nicht zulassen, dass einige aus diesem gemeinsamen Kulturgut ein Renditeobjekt machen.“
Zahlreiche Proteste sowie finanzielle und technische Schwierigkeiten verhinderten glücklicher Weise den Bau der Matterhornbahn und damit auch, dass einer der schönsten Berge der Welt dem Massentourismus zum Opfer fiel. Der Antrag der beiden Ingenieure, die mit ihrem Plan für die Matterhornbahn in die Geschichte eingingen, wurde abgelehnt und das Matterhorn konnte für künftige Generationen gerettet werden, die sich weiterhin an seiner Schönheit erfreuen können.
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Siehe auch: Bergbahnen Zermatt, Matterhorn, Matterhorn Besteigung, Erstbesteigung des Matterhorns, Bergführer Zermatt, Ds’Hore
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