Die Geschichte Zermatts
Das wunderschöne Zermatt blickt auf eine lange, wechselvolle Geschichte zurück: Bereits vor Christi Geburt soll die Region ganzjährig bewohnt gewesen sein. Ausgrabungen brachten Relikte einer jahrtausendealten Töpferindustrie zutage, die diese These unterstützen.
Damals, noch lange bevor die Geschichte Zermatts begann, waren es alemannische Volksstämme, die die Walliser Alpen ihre Heimat nannten. Sie kamen aus Richtung Westen, aus den heute französisch-sprachigen Tälern Evolena, Eifisch und Aosta.
Urkundlich wird Zermatt aber erstmals 1280 erwähnt. Damals hieß es noch „Pratobornum“, später “Vallis de Pra Borno” oder “Praborne”. Diese Namen verweisen auf eine Alm (alemannisch: Matte = Bergwiese, Bergweiden) in der Nähe einer Quelle. Das „Matt“ hat sich in „Zermatt“ und „Matterhorn“ bis heute erhalten. Die heutige Ortsbezeichnung tauchte übrigens erstmals auf einer Karte von 1495 als „zer Matt“ auf.
Zermatt im Mittelalter: Die Bauernzünfte
Im 13. Jahrhundert war Zermatt ein typisches Schweizer Bergdorf und die Geschichte von Zermatt verlief analog zu den Entwicklungen im ganzen Schweizer Alpenraum: Das Land stand unter der Oberhoheit des Bischofs von Sitten, dessen Klerus es an verschiedene weltliche Lehensherren weiter verpachtete. Doch das Feudalwesen hatte in Zermatt nicht lange Bestand. Von jeher hatten die Bewohner gewisse Nutzungsrechte und Verwaltungsfreiheiten, welche auch durch die Lehensherren nicht berührt wurden. 1538 gelang es dann etwa der Hälfte der Dorfbevölkerung, sich von ihren Herrschaften und Zehntenrechten freizukaufen.
Diese 115 nunmehr freien Familien schlossen sich in der Kirche von Zermatt zu einer autonomen Gemeinde zusammen. 1576 folgten 35 weitere Familien, denen der Loskauf ebenfalls geglückt war, diesem Beispiel. Sie gründeten die zweite Gemeinde des Meiertums. 1579 schlossen sich die beiden Gemeinden nach schriftlich abgefassten Regeln – einer Verfassung – zu einer Bauernzunft zusammen. Die verbliebenen 39 Familien kamen 1618 frei und auch sie gründeten eine Eigenverwaltung in Anlehnung an die Verfassung der Bauernzunft.
Zeittafel Geschichte Zermatt
| 1280 | Zermatt wird als “Pratoborni” erstmals urkundlich erwähnt. |
| 1495 | Zermatt wird als „zer Matt“ erstmalig auf einer Karte erwähnt, zuvor galten die Namen „Pratobornum“, “Vallis de Pra Borno” oder “Praborne”. |
| 1538 | Die ersten 115 Familien können sich aus der Lehensherrschaft loskaufen und gründen eine eigene Gemeinde. |
| 1576 | 35 weitere Familien kommen aus der Lehensherrschaft frei und gründen eine zweite Gemeinde. |
| 1579 | Beide Gemeinden schließen sich unter einer Verfassung zur Bauernzunft zusammen. |
| 1618 | Auch die letzten Familien Zermatts kaufen sich los und treten der Bauernzunft mit einer eigenen Gemeinde bei. |
| 1719 | Die drei Gemeinden schließen sich zusammen und gründen die Gemeinde Zermatt. |
| 1798 | Napoleons Truppen marschieren in die Region ein und vereinnahmen sie für Frankreich. |
| 1792 | Mit der Erstbesteigung des Klein Matterhorns durch Horace Bénédict de Saussure wird Zermatt zum Pilgerort für Alpinisten aus aller Welt. |
| 1814 | Napoleon wird gestürzt und Zermatt erlangt seine Freiheit zurück. |
| 1815 | Zermatt tritt dem Bund der Eidgenossen bei. |
| 1838 | Das erste Zermatter Gasthaus mit drei Betten eröffnet. Beginn des Goldenen Zeitalters des Alpinismus in Zermatt. |
| 1865 | Mit der Erstbesteigung des Matterhorns endet das Goldene Zeitalter des Alpinismus in Zermatt. |
| 1873 | Zermatt wird an das Morse-Telegrafennetz angeschlossen. |
| 1891 | Zermatt wird an das Schienennetz der Visp-Zermatt-Bahn angeschlossen und ist nun auch mit der Eisenbahn zu erreichen. |
| 1898 | Die Gornergratbahn wird eröffnet, die Erschließung der Zermatter Berge beginnt. |
Diese Verfassung behielt mehr als 100 Jahre lang ihre Gültigkeit, prägte die Geschichte Zermatts nachhaltig und sorgte für ein friedliches Miteinander am Fuße des Matterhorns. 1791 schlossen sich die drei Gemeinden (Hofero, Winchilmattero und Aroleitro) schließlich zur Gemeinde Zermatt zusammen. Nach wie vor bestimmten die Verfassung von 1621 und die Bauernzunftregeln von 1579 das Gemeinwesen. Dann marschierte 1798 Napoleon in die Schweiz ein und seine Truppen bereiteten diesem Rechtsstand ein jähes Ende. Das heutige Kanton Wallis wurde Frankreich einverleibt und die Zermatter verloren ihre hart erkämpfte Unabhängigkeit. Erst nach dem Sturz Napoleons, 1814, erlangte das Wallis – und damit auch die Zermatter – ihre Freiheit zurück. 1815 trat das Kanton dem Bund der Eidgenossen, der heutigen Schweiz, bei.
Zermatt im 19. Jahrhundert: Ein Ferienort entsteht
Bereits Ende des 18. Jahrhunderts kamen die ersten Alpinisten nach Zermatt. Die gewaltigen Berge rings um den Ort übten auf Abenteuerlustige aus aller Welt eine geradezu unglaubliche Anziehungskraft aus. Die erste Besteigung gelang am 13. August 1792 Horace Bénédict de Saussure, einem Genfer Gelehrten, auf dem Klein Matterhorn. In diesem Moment erwachte Zermatt aus seinem jahrtausendelangen Dornröschenschlaf und rückte in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit: Hotels schossen geradezu aus dem Boden, Zermatt wurde an das Straßennetz und 1873 auch an das Morse-Telegrafennetz angeschlossen und der Bergführerverein Zermatt wurde gegründet. Die Geschichte von Zermatt schlug nun vollkommen neue Bahnen ein.
Als Mark Twain 1878 Zermatt besuchte und seine Erzählung „Die Besteigung des Riffelberges“ verfasste, wurde Zermatt schlagartig weltberühmt. Seit dem 6.Juli 1891 ist Zermatt auch mit der Bahn zu erreichen: An diesem Tag nahm die dampfbetriebene Visp-Zermatt-Bahn ihren Betrieb auf. Der Fortschritt war nun auch in Zermatt nicht mehr aufzuhalten. Sämtliche technischen Neuerungen hielten nach und nach Einzug und machten den Ort zu einem der exklusivsten Ferienziele Europas – ohne aber dabei den ursprünglichen Charme dieses alten Walliser Bergdorfes zu zerstören, dem Besucher bis heute nachspüren können. Auch Spuren der Geschichte Zermatts können aufmerksame Urlauber noch an jeder Ecke entdecken.
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