Auf Augenhöhe mit den Riesen:
Die Zermatter Bergbahnen
Zermatt wäre nicht Zermatt ohne die wunderbaren Berge, die es umgibt: 33 Viertausender, darunter einige der höchsten Berge der Alpen, und das weltberühmte Matterhorn. Doch wäre es für viele Zermatt-Besucher nur ein Liebäugeln auf Distanz mit den Riesen, wäre das gesamte Gebiet rings um Zermatt nicht so gut mit Bergbahnen erschlossen.
Die älteste Zahnradbahn der Schweiz: Die Gornergratbahn
Schon 1898 wurde mit der Gornergratbahn die erste Bergbahn in Zermatt eröffnet. Kein Wunder, kamen doch seit Mitte des 19. Jahrhunderts und den zahlreichen legendären Erstbesteigungen immer mehr Bergsteiger und Bergfreunde nach Zermatt, um die Riesen aus nächster Nähe zu sehen. Nur wenige Jahre zuvor war der Ort über die Visp-Zermatt-Bahn an den breiteren Tourismus angeschlossen worden. Nun bemühte man sich, eine Ausflugsbahn von Zermatt hinauf in das Monte-Rosa-Massivs zu errichten, die auch Nicht-Alpinisten und Tagesausflüglern den Weg in luftige Höhen erlauben sollte. Und so wurde die Gornergratbahn zur ersten elektrisch betriebenen Zahnradbahn in der Schweiz, die noch heute ganzjährig stündlich bis zu 2.400 Personen auf den Gornergrat bringt.
Vom Sonnenflecken geht es hoch hinaus: Faszination Bergbahnen Zermatt
Nach dem Bau der Gornergratbahn kehrte in das Projekt Bergbahnen in Zermatt erst einmal ziemlich lange Ruhe ein. Erst 1942 wurde wieder ein Bauvorhaben unternommen: Der Skilift von Zermatt nach Sunnegga. Noch heute ist Sunnegga, der Zermatter „Sonnenflecken“, ein Knotenpunkt für Wanderrouten, Skipisten und eben auch für Bergbahnen. So erfolgt die Auffahrt von Zermatt aus mit dem Sunnegga-Express auf 2.280 Meter, oder von Findeln aus mit der Sesselbahn. Von hier aus geht es dann beispielsweise mit der Gondelbahn nach Blauherd. Schon allein die Fahrt mit dem Sunnegga-Express, einer „Metro“ genannten Standseilbahn durch den Sunneggatunnel, ist für jeden Zermatt-Besucher ein Erlebnis.
Wer sich von Sunnegga aus mit der Gondelbahn Sunnegga-Blauherd weiterbringen lässt, kann in Blauherd (2.580m ü.M.) ein weiteres Mal die Bahn wechseln und sich mit der Luftseilbahn Blauherd- Unterrothorn auf das Unterrothorn (3.104m ü.M.) bringen lassen. Auf dem Unterrothorn, dem obersten Punkt des Skigebiets Zermatt-Rothorn, treffen sich dann außerdem eine Gondelbahn, eine Seilbahn und eine Sesselbahn.
Hoch hinauf zum Matterhorn: Die Bergbahnen von Furi
Einen weiteren, um nicht zu sagen den wichtigsten Knotenpunkt im System der Zermatter Bergbahnen stellt Furi dar. Der kleine Ort liegt auf 1.850m ü.M. auf einer flachen Terrasse über dem Gorner- und dem Zmutttal in etwa 3 Kilometern Entfernung von Zermatt. Schon in den 50er Jahren waren Zermatt und Furi über eine Seilbahn miteinander verbunden. Heute fährt an deren Stelle die Gondelbahn Zermatt-Furi. Von hier aus haben Zermatt-Urlauber zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterfahrt: So verkehren hier zwei Gondelbahnen, die Besucher von Furi zum Riffelberg (einer Zwischenstation der Gornergratbahn) oder nach Schwarzsee bringen. Letztere wird auch als Anfahrt zur Matterhornbesteigung genutzt. Bis 2003 existierte eine weitere Seilbahn zwischen Furi und Furgg, die inzwischen aber demontiert worden ist.
Höher, länger, schneller: Rekord-Bergbahnen in Zermatt
Sehr beliebt ist von Furi aus die Verbindung nach Trockener Steg mit der 1982 erbauten Luftseilbahn. Trockener Steg (ca. 2.900m ü.M.) ist dann ein Ort der Extreme: Von hier aus nämlich fährt eine Seilbahn auf das Klein Matterhorn (3.883), Europas höchste Seilbahnstation, knapp unter der Viertausender-Marke. Außerdem beginnt in Trockener Steg der Schlepplift Gandegg, der mit 3.899 Metern längste Schlepplift der Welt. Von Trockener Steg aus führt er über den Theodulgletscher bis hinein ins italienische Skigebiet zur Talstation des Skilifts Testa 1. Insgesamt 15 Minuten brauchen Wintersportler für die Fahrt mit dem Lift. Einen weiteren Rekord in Sachen Bergbahnen hat Zermatts Nachbarort Saas-Fee zu bieten: die Metro Alpin, die höchstgelegene Standseilbahn der Welt. Diese Hochgebirgs-U-Bahn fährt durch einen Schrägstollen von 3.000m ü.M. auf eine Höhe von 3.500m ü.M.
Geschichte der Bergbahnen von Zermatt
| 1898: | Eröffnung der Gornergratbahn | 1942: | Bau des ersten Skilifts zwischen Zermatt und Sunnegga |
| 1947: | Sesselbahn zwischen Zermatt und Sunnegga | 1955: | Gründung der Luftseilbahn Zermatt-Schwarzsee (LZS) |
| 1958 – 1965: | diverse Luftseilbahnen um Zermatt | 1964: | Gründung der Rothornbahn AG |
| 1967: | Gondelbahn Sunnegga-Blauherd und Luftseilbahn Blauherd-Rothorn | 1979: | Eröffnung der Seilbahn auf das Klein Matterhorn |
| 1980: | Eröffnung der ersten unterirdischen Standseilbahn der Schweiz: Zermatt-Sunnegga | 2005: | Eröffnung der Kombibahn Sunnegga-Blauherd |
Die Zukunft der Bergbahnen von Zermatt
Neben den hier genannten herausragenden Bergbahnen gibt es in Zermatt und Umgebung noch fast unzählige weitere Sesselbahnen, Sessellifts, Skilifts und Luftseilbahnen – und noch immer kommen neue hinzu. 2009 wurde zum Beispiel ein weiteres Großprojekt abgeschlossen: Der verlängerte Matterhorn-Express erlaubt jetzt die Fahrt von Furgg nach Trockener Steg in nur 25 Minuten und ohne Umsteigen. Hierfür wurden die alte Gondelbahn von Furgg nach Trockener Steg von 1965 sowie die Gruppen-Gondelbahn Furgg–Schwarzsee ersetzt.
Auch die Gondelbahn Sunnegga-Blauherd von 1967 wurde 2005 ersetzt. Hier verkehrt heute die moderne Garaventa-Kombibahn Sunnegga-Blauherd, die mit je 27 Kabinen und 27 Sessel und daher gleichermaßen als Ausflugsbahn und Skilift genutzt werden kann.
2014 soll dann die neue Pendelbahn Testa Grigia – Matterhorn glacier paradise fertiggestellt werden. 2015 folgt eine neue Verbindung zwischen dem Furggsattel und der Testa Grigia. Und so steht fest, dass die Bergbahnen von Zermatt auch in Zukunft dafür sorgen werden, dass Zermatt-Besucher auf Augenhöhe mit den imposanten Riesen kommen.
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