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Klimawandel Matterhorn

Schlagzeilen in aller Welt ließen Matterhorn-Freunde Anfang 2012 aufhorchen. „Das Matterhorn bröckelt auseinander“, schriebt zum Beispiel die BILD-Zeitung und die englische Daily Mail prophezeite düster: „Das mächtige Matterhorn zerfällt in Stücke“. Doch auch wenn Bergsteiger am Matterhorn des Öfteren Felsstürzte erlebten, besteht noch längst kein Grund zur Panik.

Dass das Matterhorn aber unter dem Klimawandel leidet, ist offensichtlich: Die Universität Zürich veröffentlichte im April 2012 Forschungsergebnisse, die zeigen, dass der Klimawandel auch am Matterhorn nicht spurlos vorbei geht.

Verlauf des Klimawandels am Matterhorn

Der Glaziologe Stephan Gruber der Forschungsgruppe Permafrost der Universität Zürich ließ über Jahre hinweg die Felsbewegungen am Matterhorn überwachen und beobachtete so, dass durch die Klimaerwärmung das Gestein des Berges stärker erhitzt wurde. Dadurch dehnte sich der Fels aus und erhielt Risse. Auf diese Weise kommt es nun auch am Matterhorn immer wieder zu Felsabbrüchen. Auch einen zweiten Effekt verursacht der Klimawandel am Matterhorn: Weil die Erderwärmung die Gletscher zu Schmelzen bringt, ist auf dem Berg nun mehr Wasser in Bewegung. Kann es nicht abfließen, lagert es sich ab, gefriert und sprengt dann den Fels.


Gefahr durch den Klimawandel am Matterhorn: Ohne das Eis verliert der Fels seine Stabilität.

Beide Prozesse sind jedoch nicht akut bedrohlich, sondern vollkommen natürlich und für die Geologen selbst keine Überraschung. Hier weiß man, dass die Berge einem ständigen Wandel unterworfen sind und sich stetig verändern. Auch die Einheimischen sehen den Klimawandel am Matterhorn nicht als akute Bedrohung. Hier hat man gelernt, mit den Gebirgen und ihren Veränderungen zu leben, sich darauf einzustellen und auf die Folgen zu reagieren.

Die Folgen des Klimawandels am Matterhorn

Kurt Lauber, der Hüttenwart der Hörnlihütte, erzählt in seinem Buch Der Wächter des Matterhorns zum Beispiel von einem dramatischen Felssturz im Jahr 2003. Damals brach im oberen Teil des Zweiten Couloirs ein Fels los, der einen etwa 50 Meter breiten Ausbruch hinterließ. Die 70 Bergsteiger, die sich zum Zeitbruch des Absturzes glücklicherweise oberhalb der Abbruchstelle befanden, mussten anschließend auf Anweisung Kurt Laubers mit dem Helikopter abgeflogen werden, weil der Abstieg lebensgefährlich war. Daraufhin wurde der Hörnligrat für einige Zeit gesperrt, was schon damals zu einem weltweiten Aufschrei in den Medien führte. In zahllosen Interviews musste Kurt Lauber immer wieder die eine Frage beantworten: „Wann bricht das Matterhorn endgültig zusammen?“. Doch darf man den Forschern glauben, ist der Klimawandel für das Matterhorn nicht akut gefährlich. Edith Zweifel von Zermatt Tourismus beruhigt ihre Gäste ebenfalls: „Ich habe überhaupt keine Angst, dass das Matterhorn in Stücke fällt“, sagte sie gegenüber blick.ch.


Noch ist es in all seiner Schönheit zu bewundern, doch der Klimawandel am Matterhorn hinterlässt seine Spuren.

Langsamer Prozess: Klimawandel am Matterhorn

Doch auch wenn mit solch dramatischen Folgen nicht zu rechnen ist, wird der Klimawandel das Matterhorn nicht verschonen. Das gilt für den wohl berühmtesten Berg der Schweiz genauso wie für die meisten anderen Gipfel in den Alpen auch. Stephan Gruber und sein Team konnten nämlich beobachten, wie die Temperaturen in den vergangenen 100 Jahren langsam aber stetig anstiegen. Das wirkt sich auch auf die Regionen der Alpen aus, die bis dahin zu den sogenannten Permafrostböden gehörten. Hier ist der Boden ab einer gewissen Tiefe das ganze Jahr über gefroren.

Dem Temperaturanstieg ist es jedoch zu verdanken, dass es schon in 50 bis 60 Metern Tiefe heute deutlich wärmer ist als noch vor einigen Jahren. Die Folgen können gravierend sein: Fels, Eis und Wasser ergeben eine instabile Mischung, das lose Gestein wird nicht länger zusammengehalten und es kommt zu Steinschlägen, Felsstürzen und Murgängen. „Die Berge brauchen einmal im Monat Schnee, sonst geht es ihnen nicht gut“, zitiert der FOCUS in diesem Zusammenhang einen Schweizer Permafrost-Forscher. Dann nämlich kommt es zu jenem Ungleichgewicht, das Bergsteiger, Kletterer und Naturfreunde gleichermaßen das Fürchten lehrt.

Selbst wenn das Matterhorn also nicht zusammenbrechen oder auseinanderbröckeln wird, wie viele Medien glauben machen wollen, wird der Klimawandel das Matterhorn verändern und auch immer wieder Opfer fordern. Nach dem Felsabbruch im Hochsommer 2003 installierten die Forscher der Universität Zürich 2007 ein Netzwerk von drahtlosen Sensoren am Hörnligrat, mit denen die Felsbewegungen genau überwacht werden können. In den letzten Jahren konnten sie so wertvolle Informationen über die Vorgänge in den Permafrostgebieten sammeln und die Gefahrenzone gezielt überwachen. Stephan Gruber gab jedoch zu, dass die Forscher gerade erst einmal ansatzweise verstehen würden, was sich in den tieferen Gesteinsschichten abspielt. Im Fachmagazin „Journal of Geophysical Research“ präsentierten sie das Model eines komplexen Bewegungsmusters, das zum Teil durch Wärmeausdehnung geprägt wird. Doch da sich die Klüfte im Fels nicht nur dann öffnen, wenn das Gestein abkühlt und sich zusammenzieht, gehen die Forscher davon aus, dass es noch einen zweiten Mechanismus geben muss, den sie bisher noch nicht identifizieren konnten. Ihrer Vermutung zufolge ist Schmelzwasser, das in die Klüfte eindringt, für die Bewegungen zuständig. Die Scherbewegungen, die dadurch im Untergrund ausgelöst werden könnten, hätten zum Teil dramatische Folgen für den Berg.

Und deshalb ist es sehr erfreulich, dass die Schreckensmeldungen vom Klimawandel am Matterhorn wenigstens den Effekt haben, Interesse für die Veränderungen in den Alpen und vor allem im Wallis zu wecken. 2009 nutzte Bundesrat Moritz Leuenberger beispielsweise das Matterhorn als eindringliches Anschauungsmaterial für die Folgen des Klimawandels – und erzielte damit ein großes Medienecho.


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